Kapitalmärkte im Ausnahmezustand
Warum Diversifikation im ersten Quartal 2026 entscheidend war
Geopolitische Spannungen, politische Eingriffe und volatile Märkte prägten den Jahresstart 2026. Im Interview ordnet unser Anlageexperte und Leiter der Abteilung Vermögensanlagen, Beat Wüst, die Entwicklungen ein und erklärt, weshalb eine breit diversifizierte Anlagestrategie auch in unsicheren Zeiten Stabilität schafft.
Einordnung des Marktumfelds im ersten Quartal 2026
Beat Wüst: Das wirtschaftliche und marktseitige Umfeld im ersten Quartal 2026 war stark von geopolitischen Ereignissen geprägt. Insbesondere das Verhalten der US-Administration führte wiederholt zu Verunsicherung an den Finanzmärkten.
Militärische Eskalationen – unter anderem im Nahen Osten – sowie geopolitische Spannungen belasteten die Stimmung der Marktteilnehmenden. Gleichzeitig wuchs die Unsicherheit über die zukünftige Geldpolitik, da Inflationsrisiken zunahmen und erwartete Zinssenkungen infrage gestellt wurden.
Trotz dieser Entwicklungen blieb eine breite Panik an den Märkten aus. Die Weltwirtschaft startete vor der Eskalation im Nahen Osten solide ins neue Jahr, mit realistisch positiven Wachstumsaussichten und stabilen Arbeitsmärkten.
Auswirkungen auf Aktien , Anleihe und Rohstoffmärkte
Beat Wüst: Nach einem positiven Start ins Jahr gaben die Bewertungen an den Aktien- und Anleihemärkten im März deutlich nach. Auch Edelmetalle verzeichneten Rückgänge während Energiepreise stark anstiegen. Ursache waren vor allem steigende Unsicherheiten zur Dauer des Konfliktes und sinkende Wachstumserwartungen.
Gleichzeitig standen weltweit umfangreiche fiskalpolitische Ausgabenprogramme vor der Umsetzung. Unternehmen zeigten sich weiterhin zuversichtlich, ihre Erträge steigern zu können. Erst gegen Ende des Quartals wurden die wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Eskalationen klarer sichtbar.
Portfolioentwicklung: Stabilität durch breite Diversifikation
Beat Wüst: GastroSocial war zu Jahresbeginn leicht offensiv positioniert, blieb jedoch konsequent breit diversifiziert. Diese Ausrichtung zahlte sich zunächst aus: Bis Ende Februar lag die stark positive Performance deutlich über den Vergleichswerten.
Im weiteren Quartalsverlauf korrigierten die Märkte, wodurch die Performance wieder gegen Null zurückfiel. Dennoch lag sie weiterhin über den Vergleichswerten. Kurzfristige Umschichtungen oder eine starke Reduktion des Anlagerisikos wurden bewusst vermieden.
Geopolitische Ereignisse führen erfahrungsgemäss selten zu langfristigen Marktverwerfungen. Eine überstürzte Reaktion hätte hohe Transaktionskosten verursacht – bei gleichzeitigem Risiko, eine rasche Erholung zu verpassen.
Zentrales Fazit: Prozesse und Disziplin sind entscheidend
Beat Wüst: Das erste Quartal 2026 zeigt deutlich: «Normale» Marktphasen werden im aktuellen geopolitischen Umfeld zunehmend zur Ausnahme. Umso wichtiger sind eine klare Anlagestrategie, verlässliche Prozesse und ein erfahrenes Team.
Die kontinuierliche Optimierung der Portfolios bleibt der wichtigste Hebel für eine langfristig stabile Renditeentwicklung – gerade in herausfordernden Zeiten.
Beat Wüst arbeitet seit 12 Jahren bei GastroSocial und leitet seit 2016 die Abteilung Vermögensanlagen. Davor führte er zwei Jahre lang das Team Wertschriften.
Er schloss an der Universität Zürich in Betriebswirtschaft ab und arbeitet seit bald 30 Jahren im Bereich Finanzen und Vermögensanlagen. An Fachkonferenzen referiert er regelmässig zu Anlagethemen von Pensionskassen.